Am 28. Juli luden der Grüne OV und die Grüne Gemeinderatsfraktion zu einem „Runden Tisch Hitzeschutz“. Anlass war die außergewöhnlich lange und intensive Hitzewelle Ende Juni/Anfang Juli mit teils über 40 Grad im Schatten. Schon in den Eingangsstatements betonten die beiden Ortsvorsitzenden, Sissi Baudach und Martin Husch, dass dies eine Naturkatastrophe sei, vergleichbar einem Hochwasser, und daher in gleicher Weise zum Handeln Anlass geben müsse. Bundesweit seien nach den Zahlen des Robert-Koch-Instituts circa 7000 Menschen gestorben. Sinn des Runden Tisches sei, auf die Erfahrungen der Menschen in Veitshöchheim zu hören, sich auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu suchen, denn leider sei nicht damit zu rechnen, dass die gegenwärtige Hitze ein einzelnes Ereignis bleibe. Auch das Umweltbundesamt schrieb am 28. Juli im Angesicht einer sich anbahnenden neuen Hitzewelle, dass wir in einigen Jahren vermutlich zurückblicken und 2026 noch als ein relativ kühles Jahr einordnen werden.


Zu Beginn hob die Hausärztin Frau Dr. med. Mack-Burkhardt eindrücklich hervor, welche Gesundheitsgefahren Temperaturen von weit über 30 Grad im Schatten mit sich bringen. Dies kann von leichten Beschwerden wie Schwindel und Erbrechen bis hin zur Ohnmacht und zum Hitzetod führen. Auf dem Totenschein stehe dann „Herzversagen“, in Wirklichkeit sei es aber die Hitze. Kühle Räume wären daher besonders für kleine Kinder, Menschen mit Vorerkrankungen wie Herz-/Kreislaufbeschwerden oder Bluthochdruck, und alte Menschen wichtig.
Was also tun? Dieser Frage und den unmittelbaren Erfahrungen aus der letzten, intensiven Hitzewelle widmeten sich drei, von Christina Feiler und Sissi Baudach moderierten Gesprächsrunden zu den Bereichen Senioren, Schule und Hort sowie Kindertagesstätten.
Es wurde rasch deutlich, dass alle Einrichtungen die üblichen Empfehlungen bereits mustergültig umsetzen, soweit das bei den baulichen Gegebenheiten möglich ist. Es wurde früh morgens gelüftet, anschließend verschattet, viel getrunken, leicht gegessen, die Mittagshitze und Anstrengungen soweit möglich gemieden, Stundenpläne und Programme angepasst. Aber trotz solcher Maßnahmen wurden Klassenzimmer, Gruppenräume, Zimmer in der Seniorenwohnanlage oder nach Süden ausgerichtete Zimmer im Altenheim schlicht und einfach viel zu warm.
Alle Leitungen betonten, dass man bereits bei der diesjährigen Hitze an die Grenze gekommen sei, auch was die Belastungen für die Mitarbeitenden angehe. Letztlich führe kein Weg daran vorbei, für derartiges Extremwetter Klimaanlagen anzuschaffen, wenigstens in einigen Räumen, wie zum Beispiel den Schlafräumen für Kleinkinder, der Cafeteria des Seniorenzentrums, oder in Klassenzimmern, in denen noch Prüfungen stattfinden sollen. Eindrücklich berichtete eine Schülerin des Gymnasiums, dass es zwar seit der Corona- Pandemie Lüftungsgeräte gebe, diese aber entweder ausfielen oder nur heiße Luft in die Klassenzimmer pusteten.
Leider, auch das kam zur Sprache, sind selbst neu errichtete Gebäude wie die Seniorenwohnanlage in der Würzburger Straße nur unzureichend auf die neuen klimatischen Bedingungen ausgerichtet. Lange anhaltende Hitzewellen mit Extremtemperaturen müssten daher künftig bei jedem Neubau und jeder Sanierung viel besser mitgedacht werden.


Sissi Baudach im Gespräch mit Marie Ratte (Schülerin Gymnasium) und Lisa Bitter (Elternbeirat Grundschule)
In einer abschließenden Diskussion mit allen circa 50 Anwesenden wurden weitere wichtige Hebel genannt wie Begrünung (Straßen, Plätze, Fassaden, Dächer), der Erhalt und die (bessere!) Pflege der Grünflächen am Sandäcker als „Grüne Lunge“ Veitshöchheims, ein Stopp für weitere Versiegelung rund um Veitshöchheim und die Einrichtung allgemein zugänglicher kühler Räume.
Zum Schluss versprachen Fraktion und Ortsverband, das Thema Hitzeschutz in den nächsten Monaten weiterzuverfolgen, in den Gemeinderat zu tragen und in verschiedenen Foren nach Lösungen und Förderprogrammen für die notwendigen finanziellen Mittel Ausschau zu halten. Just am selben Tag verkündete der Ministerpräsident, dass auch das bayerische Kabinett die Bedeutung von Hitzeschutz und Klimaresilienz erkannt habe. „Die klimagerechte Stadtentwicklung müsse stärker als bisher in den Fokus rücken, Hitzekonzepte für Kliniken, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen müssten geprüft werden“ (SZ vom 28.7.2026). Hoffentlich kommt dabei mehr heraus als „frühmorgens lüften und viel trinken!“. Die Veitshöchheimer brauchen solche „klugen Ratschläge“ nicht, sie werden längst praktiziert!